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Wie die Affen
auf den Bäumen...
Angeblich wollten die neun jungen Leute zwischen 16 und 25
Jahren herausfinden, ob der Mensch wirklich vom Affen abstammt, so wurde es
jedenfalls, fälschlicher weise, im Radio erzählt. Das ganze Baumlager hatte
jedoch mit dieser Frage nichts zu tun. Viel mehr wollten wir erleben, was es
bedeutet, im wahrsten Sinne des Wortes, auf Grundlagen bewusst zu ver-zichten.
Und so entstand, angeregt durch das Buch „Der Baron auf den Bäumen“, die Idee,
mal ein paar Tage nicht den Boden zu berühren und vollständig auf Bäumen zu
leben. Gesagt, getan. Es war schon der zweite Versuch, diesmal allerdings das
erste mal mit Hanseaten (Johannes und Barbara, mit Dirk zusammen kräftige
Vertreter des BdP).
Schauplatz des Spektakels war eine Hainbuchen-Baumreihe auf dem Gelände der DJH
Wüstewohlde. Nach zwei Tagen anstrengendster Aufbauarbeit, und teilweise auch
sehr viel Muskelkater, ging es abends nach einer letzten Dusche auf die Bäume,
um dort für vier Nächte und drei Tage zu bleiben. Geschlafen wurde in luftiger
Höhe in schaukelnden Hängematten, gegessen auf dem Küchenbaum, gekocht auf dem
Feuer, für Sport, Spiel, Kultur und Entspannung stand eine Baumreihe zur
Verfügung, auch genannt „Kulturzentrum Sackbahnhof“, nicht zu vergessen das
„Scheißkaff“ ganz am Rand, mit Klo und Wasserkanister als Badezimmer
ausgestattet.
Die Tage gingen schnell vorbei, und sie waren, wider aller Erwartungen, auch
überhaupt nicht langweilig. Ausschlafen bis zehn, Frühstück vorbereiten, essen,
abwaschen und schon war es eins. Die Nachmittage waren schnell vorbei mit
Ausbesserungsarbeiten, Aufbau des Freizeitparks, Feuerholzsuche (auf einem Baum
mit vielen morschen Ästen ist nur der Transport eine echte Herausforderung an
die Balance), dem legendären Baum-Meister-Cup und Besuchen der Presse oder
anderer neugieriger Bekannter. Machte sich der Magen bemerkbar, wurde die
Feuertonne beheizt, auf dem Schnippeltisch ge-schnippelt (Gemüse z.B.) und ein
leckeres Mittag-Abendessen gekocht. Beim Essen saß die ganze Bande auf dem
Küchenbaum, mehr oder weniger gedrängelt, und die, die einen der wenigen Plätze
um den Tisch ergattern konnten, hatten nun die Aufgabe, für alle anderen Essen
aufzufüllen, Brote zu schmieren, komplette Obstmüslis zu schnippeln oder
besondere Kaffee-Kakao-Wünsche zu erfüllen. War der letzte Teller abgeleckt und
abgewaschen (das Ablecken erspart dem Abwaschwasser viel Dreck) trafen sich
alle um zu singen, einen Rhythmusabend und andere lustige Spiele zu machen oder
gemütlich um das Feuer in der aufgehängten Feuerschale im Wohnzimmer zu sitzen,
bis jeder in der wirklich dunklen Dunkelheit in seiner Hängematte verschwunden
war... Man musste den Baum schon sehr genau kennen, um nicht neben einen nicht
sichtbaren Ast zu treten.
Abschließend kann ich sagen, dass es eine sehr interessante Erfahrung war, es
lebt sich doch sehr anders auf Bäumen als auf dem gewohnten Erdboden: Alles
dauert länger, ob es der Gang zum Klo oder das „was zum Trinken holen“ ist, die
Sonne scheint nicht und man kann den Himmel nicht sehen, es regnet nicht so
stark, dafür tropft es später und länger, man kann nur eine Sache zur Zeit
machen und die mit voller Konzentration, ständige Konzentration ist sowieso das
A und O, der Tag geht schneller `rum, man friert sehr leicht und man hat Angst,
nachts von seinem raushängenden Schlafsack aus der Hängematte gezogen zu
werden, ich hatte sie jedenfalls in der ersten Nacht.
Kleine, bescheidene Schlussbemerkung: Wir sind mit ca. 150 L Wasser
ausgekommen, das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 4L pro Nacht. Man
wird einfach nicht dreckig da oben.
Barbara
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